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Leuchtende Nachtwolken

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NLC-Beobachtung mit Hilfe von Webcams

Bereits seit 2005 stellt das Institut für Atmosphärenphysik (IAP) Einzelframes seiner speziell für die Aufzeichnung von NLC-Displays eingerichteten Webcams online in Echtzeit zur Verfügung. Gab es zunächst nur eine Kamera am Institutssitz in Kühlungsborn, so kamen im Laufe der Jahre weitere Kameras an wechselnden Standorten hinzu. Zumeist liegen diese an der Ostseeküste, vereinzelt jedoch auch deutlich weiter südlich im Landesinneren, z.B. in Collm. Insbesondere letztere stellte für Beobachter im Westen und Nordwesten Deutschlands jahrelang am Abend ein kurzfristiges "Warnsystem" dar, da in Collm die Dämmerung um bis zu 30 Minuten früher einsetzt. Am Morgen wiederum konnte man sich an den Kameras an der östlichen Ostsee (Juliusruh, später Greifswald) orientieren. Insgesamt ist das Netz der IAP-Cams jedoch recht dünn; Aussetzer in der Übertragung ins Web kommen nicht selten vor und natürlich ist man auf zumindest halbwegs wolkenfreien Himmel an den wenigen Standorten angewiesen.
In den Jahren nach 2010 sind überall im deutschsprachigen Raum, insbesondere im Alpengebiet zahlreiche hochwertige Webcams ans Netz gegangen, welche sich - obgleich natürlich nicht dafür aufgestellt - ganz ausgezeichnet zur Beobachtung Leuchtender Nachtwolken eignen und diese in mehrfacher Hinsicht vorangebracht haben.

1.) Südlich des 50. Breitengrades gibt es extrem wenige regelmäßige NLC-Beobachter. Die dort stationierten Webcams schließen diese Lücke im Beobachter-Netzwerk.

2.) Südlich gelegene Webcams haben typischerweise einen Kantenblick auf NLCs. Daraus resultiert eine höhere optische Dichte. In manchen Fällen (Beispiel 1, Beispiel 2) können Leuchtende Nachtwolken dadurch überhaupt erst nachgewiesen werden oder aber zumindest die Lage deren Südrands festgelegt werden. Für Beobachter weiter nördlich stehen die NLCs zwar zenitnäher, sind aber durch die geringe optische Dichte gar nicht oder in ihren zenitnahen Bereichen nicht wahrnehmbar.

3.) Webcams sind bei der kurzfristigen Beobachtungsplanung als "Frühwarnsystem" hilfreich. Dabei macht man sich zu Nutze, dass der Zeitraum, in welchem ein ausreichender Dämmerungsgrad von Südosten nach Nordwesten (am Abend) bzw. von Nordosten nach Südwesten (am Morgen) fortschreitet, im deutschen Sprachraum bis zu 90 Minuten beträgt. Voraussetzung ist natürlich, dass zumindest an einigen Kamerastandorten klarer Himmel herrscht und dass NLCs dort überhaupt sichtbar sind. So ist es durchaus möglich, dass am Abend an den zahlreichen im Alpenraum stationierten Cams keine NLCs auftauchen, weil letztere zu weit nördlich stehen. Im Norden Deutschlands können gleichwohl später bei fortgeschrittener Dämmerung Leuchtende Nachtwolken sichtbar werden. Wenn am Morgen an Cams im Nordosten NLCs sichtbar werden oder aber auf Grund der dort geringen Sonnendepression die ganze Nacht über beobachtet werden, bedeutet dies nicht, dass sie später auch an weiter südlich bzw. westlich gelegenen Standorten wahrgenommen werden können. Schließlich ist noch zu beachten, dass weit östlich, z.B. über Polen, stehende NLC-Displays zwar im Osten Mitteleuropas sichtbar sein können, jedoch auf gleicher geografischer Breite im Westen nicht über den Horizont gelangen. Eine 100prozentige Entscheidungshilfe, ob es sich lohnt heraus zu gehen, bieten Webcams daher nur für Beobachter in deren näherer Umgebung. Diese haben allerdings dann keine Vorwarnzeit mehr, sondern müssen möglichst rasch einen geeigneten Beobachtungsort erreichen.
Da die Dämmerung von SE nach NW (am Abend) bzw. von NE nach SW (am Morgen) voranschreitet, ist die durch die in Mitteleuropa stationierten Webcams gegebene Vorwarnzeit generell umso größer je weiter westlich man sich befindet. Wie oben erläutert ist die Sichtung von NLCs an weit entfernt des eigenen Standortes operierenden Cams keine Garantie, dass man selber welche zu sehen bekommt. Umgekehrt sind eigene Sichtungen auch möglich, wenn an weiter entfernten Kameras nichts zu sehen ist.

Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass Webcams für die kurzfristige Beobachtungsplanung umso hilfreicher sind desto mehr davon im gesamten deutschsprachigen Gebiet zur Verfügung stehen. Wir haben daher in einer interaktiven Rasterkarte (Rastergröße 20*20 Bogenminuten) alle Webcams, an denen seit 2014 mindestens einmal NLCs gesichtet wurden, verlinkt. Die Karte ist sowohl als html-Version als auch als PDF-Datei (30 kb) verfügbar. Nachstehend ist eine nicht interkative Version der Karte wiedergegeben; darunter findet sich eine Tabelle der relevanten Dämmerungszeiten für die in der Karte aufgeführten 9 Städte.

Rasterkarte mit Positionen von mitteleuropäischen Webcams zur NLC-Beobachtung
Rasterkarte mit Positionen von mitteleuropäischen Webcams zur NLC-Beobachtung. Klicken Sie bitte auf die Grafik um zur interaktiven Version zu gelangen.

Dämmerungszeiten für 9 über das Gebiet verteilte Städte in Mitteleuropa
Dämmerungszeiten für 9 über das Gebiet verteilte Städte in Mitteleuropa.

In der Praxis empfiehlt es sich, etwa 10 Minuten nach Beginn der nautischen Abenddämmerung in Wien mit dem Durchklicken der Webcams im Südosten zubeginnen und dann - entsprechend dem Beginn der nautischen Abenddämmerung an den anderen Referenzorten - allmählich nach Nordwesten voran zu schreiten.
Da die Sonne an der deutschen Küste fast während der gesamten NLC-Saison (bis etwa 20. Juli) nie die kritische Depression von -16° unterschreitet, sind etwaige NLCs an den dortigen Cams während der gesamten Nacht sichtbar. Wenn Leuchtende Nachtwolken an diesen Kameras im Verlauf der nautischen Morgendämmerung deutlich höher steigen - sei es, weil sie nach Südwesten ziehen, sei es, weil sie aus dem Erdschatten treten - bestehen auch weiter südlich Chancen auf erfolgreiche NLC-Beobachtungen.