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Leuchtende Nachtwolken 1998

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Leuchtende Nachtwolken in Mitteleuropa 1998

Nachdem 1997 in jeder Hinsicht einen historischen Höhepunkt der mitteleuropäischen NLC-Beobachtungen gesehen hatte, muss man für 1998 einen deutlichen Rückschritt konstatieren. Gemäß Aufstellungen von Jürgen Rendtel (1998b,c,d,e) nahmen lediglich 18 Personen teil, von denen laut den Daten bei Tom McEwan 12 mindestens einmal erfolgreich waren. Insgesamt sind nur 32 Meldungen von Leuchtenden Nachtwolken bekannt geworden, was einem Schnitt von gerade einmal 1.7 Beobachtungen pro NLC-Nacht entspricht. Allerdings geben diese Werte sehr wahrscheinlich nicht die tatsächlichen Beobachtungsraten wieder (s. auch Rendtel 1998e). Anders als in den Vorjahren wurde seitens des AKM keine Jahresauswertung veröffentlicht und bei den Monatsauswertungen (Rendtel 1998b,c,d,e) wurde lediglich vermerkt, ob in einer Nacht irgendwo NLCs gesichtet wurden, ohne dass Zahl und Orte der Beobachtungen vermerkt wurden. Offensichtlich wurden auch nicht alle Einzelbeobachtungen an Tom McEwan gemeldet.
Die meisten Sichtungen kamen 1998 wieder einmal von Jürgen Rendtel (8 NLC-Nächte) aus Potsdam; alle anderen Beobachter waren höchstens dreimal erfolgreich, soweit dies aus den oben erwähnten lückigen Aufzeichnungen hervorgeht. Mit 19 NLC-Nächten und einer Dauer von lediglich 40 Tagen gehörte 1998 (Übersichtstabelle der Saison 1998) zu den schwächeren Saisons in Mitteleuropa. Neben einer fraglichen Meldung vom 10./11.05.1998 ist bei McEwan eine Beobachtung vom 25./26.05.1998 aus Chemnitz aufgeführt. Diese wurde später von Gavine (2006) als "suspect" klassifiziert. Rendtel (1998b) führt sie in seiner Übersichtstabelle für Mai 1998 gar nicht auf, erwähnt aber im Begleittext eine einzelne Beobachtung. Da es weltweit bis zur Nacht 11./12.06.1998 keinen gesicherten Nachweis gab, haben wir die Chemnitzer Beobachtung vom 25./26. Mai 1998 hier nicht berücksichtigt. Ein weiterer Widerspruch betrifft die Nacht 20./21.07.1998, für welche Jürgen Rendtel eine eigene Sichtung an Tom McEwan gemeldet hatte. In seiner gedruckten Aufstellung (Rendtel 1998d) fehlt diese aber. Da ein derart erfahrener Beobachter kaum eine Falschmeldung abgesetzt haben wird, sind wir hier von einem Kompilierungsfehler bei Erstellung der gedruckten Tabelle ausgegangen und haben diese Nacht in unsere Jahresübersicht aufgenommen.
Die Saison 1998 begann wie oben erwähnt zwar spät, aber eindrucksvoll, nämlich mit einem "Outbreak" von NLCs über 7 Nächte hinweg (12./13. - 18./19.06.1998), wobei zweimal (13./14. und 15./16.06.1998) bis zum Zenit reichende helle Displays verzeichnet wurden (ausführlicher Rückblick). Der weitere Verlauf der Saison war verhaltener, wobei im Juli die ausgesprochen schlechten Wetterverhältnisse eine Rolle gespielt haben dürften. Nach Rendtel (1998d) gingen lediglich aus 19 der 31 Nächte Beobachtungsberichte ein. Allerdings belegt die Aufstellung von Tom McEwan, dass die NLC-Aktivität im Juli im Vergleich zum Vormonat weltweit drastisch abnahm. Die letzte gesicherte Beobachtung fand in der Nacht 05./06.08.1998 in Finnland statt. Eine Meldung aus England vom 15./16.08.1998 wurde später von Gavine (2006) als zweifelhaft eingestuft. Somit war 1998 auf der Nordhalbkugel nach 1992 die zweitkürzeste Saison.
Der Begriff "Outbreak" für Zeitabschnitte, in denen in mehreren Nächten nacheinander z.T. auffällige NLCs auftreten, wurde offenbar erstmals von dem Astronomie-Journalisten Daniel Fischer während der Saison 2009 benutzt, ohne jenen näher zu definieren. Als "Outbreak" seien daher im Kontext dieses Webportals Phasen bezeichnet, in denen in mindestens 3 aufeinanderfolgenden Nächten NLCs beobachtet werden und in denen mindestens 2 Nächte helle oder sehr helle Displays (Helligkeit 4 oder 5) bringen.
1998 begann eine bis heute andauernde lockere Kooperation des AKM mit dem IAP in Kühlungsborn. Letzteres meldete eine Beobachtung von NLCs mit der damals neuen Lidartechnik in der Nacht 13./14.06.1998 an den AKM (s. unten).
NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa 1998
Abb. 1: NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa 1998

Leuchtende Nachtwolken am 13./14. und 15./16.06.1998

"Die haben auch wir in Kühlungsborn gesehen und von 21:30 bis 23:40 UT mit Lidars verfolgt. Zum letztgenannten Zeitpunkt verschwanden sie rasch und kurz danach zogen Wolken auf.
Für den Beobachtungszeitraum liegen von hier detaillierte Angaben über Höhe und Stärke der NLC in bis zu fünf verschiedenen Farben zwischen 355 und 770 nm vor. Es war wohl die erste 5-Farben-Lidarmessung einer NLC in der Welt. Bemerkenswert ist die vergleichsweise geringe Höhe der Wolke. Als wir sie entdeckten, war sie knapp über 82 km, als sie sich auflöste bei 80.8 km."

Aus einem Brief über die Nacht 13./14.06.1998 von Prof. Ulf von Zahn (IAP) an den AKM, zitiert nach Rendtel (1998b).
Wie bereits weiter oben erwähnt, wurden im Rahmen eines vom 12./13. - 18./19.06.1998 andauernden "Outbreaks" von NLCs in den Nächten 13./14.06. und 15./16.06.1998 die eindrucksvollsten Displays der Saison beobachtet. Insbesondere gilt dies für letztgenannte Termin, an dem Leuchtende Nachtwolke auf 51N (Pirna) im Zenit standen.
Obwohl zu den Beobachtungen dieser Nächte keine Azimutdaten vorliegen, lässt sich mittels der Höhenangaben in der Aufstellung von Tom McEwan unter der nicht unberechtigten Annahme, dass die Displays den Azimut 360 (Nord) überdeckten, zumindest die Lage deren südlicher Begrenzung in etwa rekonstruieren (Abb. 3 und 5). Für beide Nächte liegen Nachweise nur am Abend vor, wobei Ulf von Zahn (s. Zitat oben) ausdrücklich erwähnt, dass die NLCs um die astronomische Mitternacht verschwanden.
Satellitenbilder sind für beide Abende nicht verfügbar; Aufnahmen der NOAA-Satelliten, welcher jeweils einige Stunden vorher und nachher entstanden, deuten jedoch an beiden Abenden auf vielerorts nicht einfache Beobachtungsbedingungen hin.
NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa am Abend des 13.06.1998
Abb. 2: NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa am Abend des 13.06.1998
Rekonstruktion der südlichen Begrenzung der am Abend des 13.06.1998 in Mitteleuropa beobachteten NLCs.
Abb. 3: Rekonstruktion der südlichen Begrenzung der am Abend des 13.06.1998 in Mitteleuropa beobachteten NLCs.
Der eingezeichnete Beobachtungsort ist Chemnitz
NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa am Abend des 15.06.1998
Abb. 4: NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa am Abend des 15.06.1998
Rekonstruktion der südlichen Begrenzung der am Abend des 15.06.1998 in Mitteleuropa beobachteten NLCs.
Abb. 5: Rekonstruktion der südlichen Begrenzung der am Abend des 15.06.1998 in Mitteleuropa beobachteten NLCs.
Der eingezeichnete Beobachtungsort ist Osnabrück.
Die beiden herausragenden NLC-Nächte der Saison 1998 sind auch durch einige online verfügbare Fotos und einen Bericht dokumentiert:
- 13.06.1998: Olaf Squarra
- 15.06.1998: Holger Lau
- 15.06.1998: Heiko Ulbricht
- 15.06.1998: Mark Vornhusen (Bericht)
- 15.06.1998: Mark Vornhusen (Fotos)
- 15.06.1998: Frank Wächter

Literatur
Gavine, David (2006): Noctilucent Cloud over Britain and Western Europe, 1998-2000. J. Br. Astron. Assoc. 116 (3), 133-134.
Rendtel, Jürgen (1998a): NLC-Saisonbeginn 1998 in Sicht. Meteoros 1 (4), 94-95.
Rendtel, Jürgen (1998b): Leuchtende Nachtwolken im Mai 1998. Meteoros 1 (6), 130-131.
Rendtel, Jürgen (1998c): Leuchtende Nachtwolken im Juni 1998. Meteoros 1 (7-8), 150-151.
Rendtel, Jürgen (1998d): Beobachtungen Leuchtender Nachtwolken im Juli 1998. Meteoros 1 (9), 169-170.
Rendtel, Jürgen (1998e): Leuchtende Nachtwolken im August 1998. Meteoros 1 (10), 150-151.