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Leuchtende Nachtwolken 2000

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Jahresrückblick 1999 NLC-Chronik Jahresrückblick 2001

Leuchtende Nachtwolken in Mitteleuropa 2000

Die Saison 2000 präsentierte sich wie ihre Vorgängerin in Mitteleuropa mit recht geringer NLC-Aktivität. Dennoch ist sie in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Schien es noch im Vorjahr fast so, als sollte das Beobachtungsprogramm des AKM immer mehr einschlafen, kehrte sich der Trend nun um. Gemäß Aufstellungen von Jürgen Rendtel (2000b,c,d) nahmen 27 Beobachter (darunter 5 Wetterstationen des DWD) teil, von denen 21 mindestens einmal erfolgreich waren. Diese Zahlen sind aber nicht mit denjenigen der Vorjahre vergleichbar, denn Rendtel berücksichtigte auch externe Meldungen, welche im Internet-Forum der Wetterzentrale abgegeben worden waren. Diese seit 1999 betriebene Plattform hatte sich seit dem legendären Polarlicht vom 06.04.2000 zur Anlaufstelle derjenigen entwickelt, welche an Phänomenen der Hochatmosphäre interessiert waren. Mitte Juli 2000 nahm das Forum des AKM Fahrt auf, spielte aber für die NLC-Saison 2000 keine Rolle mehr. Ein Nebeneffekt der Nutzung des neuen Mediums war, dass das bisherige Übergewicht von Beobachtern in den 5 östlichen Bundesländern erstmals ausgeglichen wurde (Abb. 1).
Insgesamt sind in der Saison 47 Meldungen von Leuchtenden Nachtwolken bekannt geworden, was einem Schnitt von 2.8 Beobachtungen pro NLC-Nacht entspricht. Anders als in den beiden Vorjahren geben diese Werte annähernd die tatsächlichen Beobachtungsraten wieder, denn für das Jahr 2000 wurden wieder detaillierte Monatsauswertungen publiziert (Rendtel 2000b,c,d), in denen die Einzelbeobachtungen aufgeführt wurden.
Die meisten Sichtungen kamen 2000 erneut von Jürgen Rendtel (Potsdam, 6 NLC-Nächte), gefolgt von Bernt Hoffmann (Flensburg) und Richard Löwenherz (Klettwitz) mit jeweils 3 Nächten. Mit 17 NLC-Nächten gehörte 2000 (Übersichtstabelle) zu den schwächeren Saisons in Mitteleuropa; gleichwohl wies sie mit 55 Tagen eine durchschnittliche Länge auf. Auch global lag sie mit Beobachtungen zwischen dem 28. Mai und dem 12. August im Mittelfeld. Einsamer Höhepunkt dieses eher unauffälligen NLC-Sommers war der Abend des 27.06.2000, welcher helle und von zahlreichen Beobachtern gemeldete Leuchtende Nachtwolken hervorbrachte (ausführlicher Rückblick ). Der Juli brachte einen ungünstigen Witterungsverlauf in Folge monsunaler Effekte; nach Rendtel (2000d) gingen lediglich aus 19 der 31 Nächte Beobachtungsberichte ein. Bezeichnenderweise fällt in diesen Zeitraum eine Nacht (13./14.07.2000), in welcher der einzige NLC-Nachweis aus einem Flugzeug über Süddeutschland gelang.
Verbreitete Bewölkung (Grafik) bestimmte auch die Nacht 15./16.07.2000. Wo es halbwegs klar war, hellte der Vollmond die Mitternachtsdämmerung zusätzlich auf. Unter diesen denkbar ungünstigen Verhältnissen zeigten sich über Mitteleuropa extrem helle und eindrucksvolle Polarlichter ("Bastille Day Event"). Gleichzeitig vermerkten mindestens zwei Beobachter NLCs, welche allerdings nur sehr lichtschwach und horizontnah in Erscheinung traten. Bernt Hoffmann titelte dazu im Forum der Wetterzentrale: "Die Nacht der Nächte!! NLC + Polarlicht" (Ganzes Posting).
Bei Rendtel (2000c) sind 2 Beobachtungen (02./03.06. und 12./13.06.2000) aufgeführt, welche als fraglich eingestuft werden. Diese wurden konsequenterweise hier auch nicht berücksichtigt. Schwieriger zu beurteilen ist die Nacht 26./27.06.2000, für welche Rendtel lediglich 2 negative Beobachtungen aus Schlägl und Klettwitz aufführt. Andererseits wurde in Sterne und Weltraum (11/2000, 865) ein Foto von Michael Schlünder publiziert, welches ausgedehnte und offensichtlich helle NLCs zeigt. Das Bild ist ohne weitere Angaben auf den Abend des 26.06.2000 datiert. Der Verdacht liegt nahe, dass diese Aufnahme falsch datiert wurde und die hellen NLCs vom Abend des 27.06.2000 zeigt. Da sich der Sachverhalt zumindest momentan nicht klären lässt, haben wir die Nacht 26./27.06.2000 vorläufig in die Jahresübersicht aufgenommen.
Jürgen Rendtel (2000d) gab in 2000 wieder einmal eine Übersicht aktueller wissenschaftlicher Publikationen. Nach wie vor stand um die Jahrtausendwende die Beziehung zwischen Leuchtenden Nachtwolken und Polaren Mesosphärischen Sommerechos im Mittelpunkt des Forschungs-Interesses.
NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa 2000
Abb. 1: NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa 2000

Leuchtende Nachtwolken am Abend des 27.06.2000

"Beobachte die NLCs seit ca. 23:15 MESZ, an ihrer Oberkante steht der helle Stern Capella im Fuhrmann (Höhe zur Zeit 7°)."
Meldung von Helmut Burghardt im Forum der Wetterzentrale am 27.06.2000. Dies ist die älteste bekannt gewordene NLC-Beobachtung in Bonn.
Die hellen NLCs, welche am Abend des 27.06.2000 auftraten, waren zum damaligen Zeitpunkt mit 20 Meldungen die am besten beobachteten in Mitteleuropa seit der Entdeckung der Leuchtenden Nachtwolken im Jahr 1885. Sie waren in Eggenfelden (Niederbayern) bis knapp über dem 48. Breitengrad sichtbar. Fast alle anderen Meldungen stammen aus dem Bereich zwischen 50 und 52°N (Abb. 2). Dies dürfte seinen Grund in den insgesamt ungünstigen Wetterbedingungen haben. Satellitenbilder sind für diesen Abend nicht verfügbar; Aufnahmen der NOAA-Satelliten, welche am Nachmittag vorher und am Morgen nachher entstanden, deuten auf weit verbreitete Bewölkung über Mitteleuropa hin. Umso erstaunlicher ist die hohe Zahl an Beobachtungen, zumal es sich um einen Wochentag (Dienstagabend) handelte. Wie hell und eindrucksvoll dieses Display erschien, zeigen einige Fotos von Rene Winter aus Eschenbergen.
Nur für einen Teil der Beobachtungen liegen Azimutangaben vor. Zur Positionsrekonstruktion können jedoch zusätzlich auch die reinen Höhenangaben in der Aufstellung von Tom McEwan verwendet werden unter der nicht unberechtigten Annahme, dass das Display auch an den anderen Standorten den Azimut 360° (Nord) überdeckte (Abb. 3). Da in den Datensätzen stets die maximal erreichte Höhe der gemeldeten NLCs aufgeführt ist, gibt die Karte im Wesentlichen die jeweils beobachtete südliche Begrenzung wieder. Demnach standen Leuchtende Nachtwolken bis zum 51. Breitengrad im Zenit. Da jedoch kein Beobachter eine Höhe von über 30 Grad angegeben hat, lässt sich folgern, dass das Display höher am Himmel eine zu geringe optische Dichte aufwies, um sich gegen die Dämmerung durchzusetzen. Genauso ist aber denkbar, dass die NLCs über der Mitte Deutschlands erst auskondensierten, als sie dort in Zenitnähe bereits im Erdschatten standen.
Alle Beobachtungen erfolgten zwischen 22:15 und 00:30 MESZ. Am Morgen konnten keine NLCs mehr nachgewiesen werden. Offenbar löste das Feld sich gegen Mitternacht rasch auf. Gunnar Glitscher schrieb dazu: "Die Nachtleuchtenden Wolken fielen mir in Darmstadt (+49.9°) gegen 23.45 MESZ in 8-10 Grad Höhe über dem NNW-Horizont auf; Farbe: bläulich-weiß. Ca. 15 Min. später waren sie verschwunden. In der frühen Morgendämmerung zwischen 3.15 und 4.00 MESZ tauchten sie im NNO dann nicht wieder auf."
Da es (s.o.) möglich erscheint, dass die Bildung der NLCs erst während der Beobachtungen ihren Höhepunkt erreichte, kann es sich hier durchaus um eine sehr kurze, nur wenige Stunden anhaltende Episode gehandelt haben, welche sich zufällig in der optimalen Dämmerungsphase abspielte.
NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa am 27.06.2000
Abb. 2: NLC-Beobachtungen in Mitteleuropa am Abend des 27.06.2000
Rekonstruktion der südlichen Begrenzung der am Abend des 27.06.2000 in Mitteleuropa beobachteten NLCs.
Abb. 3: Rekonstruktion der südlichen Begrenzung der am Abend des 27.06.2000 in Mitteleuropa beobachteten NLCs.
Der eingezeichnete Beobachtungsort ist Eggenfelden.

Literatur
Gavine, David (2006): Noctilucent Cloud over Britain and Western Europe, 1998-2000. J. Br. Astron. Assoc. 116 (3), 133-134.
Rendtel, Jürgen (2000a): Leuchtende Nachtwolken 2000 - Beginn der Beobachtungssaison. Meteoros 3 (6), 111.
Rendtel, Jürgen (2000b): Leuchtende Nachtwolken im Mai 2000. Meteoros 3 (7), 130.
Rendtel, Jürgen (2000c): Leuchtende Nachtwolken im Juni 2000. Meteoros 3 (7), 131-132.
Rendtel, Jürgen (2000d): Beobachtungen Leuchtender Nachtwolken im Juli 2000. Meteoros 3 (8-9), 157-159.